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Medien und Ideen

Morddrohungen gegen Kathy Sierra - Anfang vom Ende der Unschuld der Blogosphäre

Kathy Sierra schreibt ein nicht nur von mir sehr geschätztes Marketingweblog – und berichtet in einem erschütternden Eintrag über eine unglaubliche Online-Hasskampagne (mit Morddrohungen und kruden sexuellen Gewaltphantasien) gegen sie, die Sie völlig verängstigt und zutiefst entsetzt hat.

Seit 4 Wochen erhält Kathy Sierra Morddrohungen in Kommentaren in ihrem eigenen Blog, eine Steigerung erfuhr die offensichtliche Kampagne dann durch Photomontagen, persönliche Details, hasserfüllte Beschimpfungen und strafrechlich relevante Drohungen, die auf zwei mittlerweile nicht mehr zugänglichen Seiten (MeanKids, gepostet wurden.

Involviert in die Hetzjagd offenbar sehr bekannte Leute, wie der Co-Autor des Cluetrain Manifests, der 59-jährige (!) Chris Locke (aka Rageboy), der in seinem Blog die Anschuldigungen herunterspielt und auf einem Recht auf freier Meinungsäußerung (ohne Rücksicht auf Rechte anderer) festhält. Derselbe Rageboy kann offenbar auch eine Kündigung nicht verkraften, wie ein anderes extrem beleidigendes Posting belegt; Misogynie wird getarnt als Grundrecht der freien Rede von echten Kerlen, die halt ab und an über die Stränge schlagen.
Auf die Anschuldigungen von Kathy Sierra reagiert der ansonsten wenig zimperliche Blogger praktisch naturgemäss sehr weinerlich und sieht sich schwupps in der Opferrolle (“I’ve already been judged by the angry mob”).

Dass jetzt über einen Verhaltenskodex für Blogs (Call for blogging code of conduct) nachgedacht wird, halte ich für gut und notwendig.
Es geht um einen Nachdenkprozess, bei dem es viele Aspekte zu berücksichtigen gilt:

  1. persönliche Homepage/Blog unter der realen Existenz/vollem Namen vs. anonyme Spammer, Attackenreiter
  2. fehlende Filter auf qualitativer Ebene: Content Filter sind ein vielversprechender Weg zum semantischen Web (das den tatsächlichen Mehrwert bringen würde und tatsächlich ein Web 3.0 wäre)
  3. auf einer Veranstaltung gestern abend meinte der österr. Wissenschaftsminister Hahn zum Internet, dass der Wildwuchs eingedämmt gehöre; das klingt eigentlich nicht erfreulich und unterstützenswert, weil es eine Formulierung ist, die oft in Sachen schwarzer Pädagogik daherkommt; unbestreitbar ist aber, dass es Regeln geben muss. Die Frage ist, wie und von wem sie definiert werden, und was beim Verstoss gegen sie geschieht.

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