Richard Yates: Eine besondere Vorsehung
Ein absolutes literarisches Highlight der letzten Jahre für mich: mein erstes Buch von Richard Yates, Eine besondere Vorsehung (Übersetzung von Anette Grube) über eine Mutter-Sohn Beziehung in den 1940er Jahren. Die erfolglose Bildhauerin Alice Prentice zieht alleinerziehend mit ihrem Sohn Robert durchs Land, ausstehende Mietforderungen und Klassenambitionen hinter sich lassend. Ihr Sohn entkommt der verschlingenden Mutterliebe als junger Soldat in Europa während der letzten Monaten des zweiten Weltkriegs.
Die klare, nüchterne und doch immer bei den Menschen und ihren Gefühlen sich befindende Erzählung ist zutiefst mitreissend, die Personen und die Szenerie werden unmittelbar plastisch, ohne klischeehaft zu sein. Banalität und Brutalität des Krieges sind unvergleichlich beschrieben. Leben in der Depression im stolzen Auszug der Kleinfamilie aus dem Haus der Schwester kulminierend, als Sohn und Mutter bei größter Hitze eine staubige Straße sich entlangschleppen und der Sohn mit der Autosuggestion, dass es fürchterlich kalt sei, wenn sie sich nicht bewegen würden, die Mutter aus ihrer Lethargie reisst und als Kind die Vaterrolle übernimmt.
“Wir werden beherrscht von Mächten,
die wir vorgeben zu verstehen.”
W.H.Auden
Gut gewähltes Motto des Buchs.
Mehr Yates wird folgen.
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