Jahresrückblick: das Beste aus dem Jahr der Ratte
Heute, am 25. Jänner 2009, beginnt nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Büffels. Zeit für einen Jahresrückblick auf das abgelaufene Jahr der Ratte. Eine persönliche Selektion von elf journalistisch herausragenden Blogeinträgen:
Journalismus: Schlechter Online?
Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht.
Beobachtungen/Regeln von Stefan Niggemeier zur (deutschen) Online Landschaft:
- Online-Journalisten müssen nicht schreiben können.
- Redigieren und Korrigieren ist optional.
- Jedes Medium wird im Internet zum Boulevard-Medium. („Paris Hilton“)
- Relevanz ist kein Kriterium
- Berichtet wird, was mühelos zu recherchieren ist.
- Redaktion und Werbung müssen nicht so genau getrennt werden.
- Warum ein gutes Foto zeigen, wenn es auch 100 schlechte tun?
- Klicks gehen immer vor Qualität
Quelle: Stefan Niggemeier
Fotoblog von boston.com: The Big Picture

Setzt den weltweiten Standard für journalistische Fotoblogs.
- Thematisch gegliederte Agenturfotos
- Fotos in absoluter Topqualität
- Großformatige Präsentation (990 Pixel breit!)
- Fotos mit expliziten Darstellungen (z.B. Kriegsopfer) werden überdeckt und mit Warnhinweis vor der Anzeige versehen
RSS Nutzung am Zenit – neue Newsfeeds am Vormarsch
- US-Studie sieht Nutzung mit 11% am Zenit
- für die „Masse“ zu kompliziert
- neue Newsfeeds von Facebook, Twitter, Friendfeed haben mehr Potential (Lifefeed)
- Opt-In Kommunikation als Stärke von RSS auch bei den Lifefeeds
Quelle: Steve Rubel
Digg Lektionen

Ein turbulentes Jahr bei Digg lehrt einiges über Newscommunities und das Verhalten der Herden.
- 100 User machen 50% der Stories auf der Frontpage – alles andere als „pure Demokratie“
- Communities müssen gepflegt werden, v.a. die Stammuser
- „Anerkennung“ ist eine wichtige Währung (Teil von „fame und fortune“)
Quelle: Paul Bradshaw im Online Journalism Blog
Die Wahrheit über Google
Most people still think of Google as a search business. But what the analysts understood long ago, and the rest of us are realizing now, is that what they really want to do is organize all the world’s information, and then put ads on it.
Quelle: Michael Arrington auf Techcrunch
Mehr Wissen führt zu mehr Nicht-Wissen

On the way to maximum ignorance: “Thus even though our knowledge is expanding exponentially, our questions are expanding exponentially faster. And as mathematicians will tell you, the widening gap between two exponential curves is itself an exponential curve. That gap between questions and answers is our ignorance, and it is growing exponentialy. In other words, science is a method that chiefly expands our ignorance rather than our knowledge.
Quelle: Kevin Kelly – The Technium
Komplexe Sachverhalte in Zeitungen erklären – mit Comics

z.B. die Finanzkrise in „Globe and Mail“ aus Toronto
Quelle: Paul Bradshaw im Online Journalism Blog
Geld verdienen mit Buch der Blogkommentare
Französischer Topblogger Pierre Assouline kompiliert aus den Kommentaren in seinem Literatur-Blog ein Buch, das zum Bestseller wird.
Verdient damit mehr als mit Werbung auf seinem Blog
Quelle: Nicolas Kayser-Bril im Online Journalism Blog
Google digitalisiert Zeitungen

Bevor Google die ersten Services auch wieder zusperrte, gingen noch innovative Dienste an den Start. Als ein herausragendes Beispiel sei das Digitalisieren von historischen Zeitungen genannt, natürlich inklusive Texterkennung und gewohnt komfortabler Durchsuchbarkeit.
Quelle: Google Blog
Massenereignisse finden ein Massenpublikum
Dass die Long-Tail Theorie nicht die Formel zur Welterklärung ist, steht wohl schon länger ausser Streit. 2008 wurde sie bei einigen Großereignissen schwer abgestraft:
- Olympia in US,
- Obama Reden und
- Super Bowl
brachten jeweils Rekordeinschaltziffern in den großen Massenmedien.
Quelle: Luke Wroblewski in Functioning Form
Copy&Paste Journalismus
Zwei global abgefeierte Ereignisse lieferten schöne Beispiele für einen Verlust journalistischer Sorgfaltspflicht. Wenn die Filterfunktion bei den Nachrichtenagenturen versagt, dann setzen die wenigsten Medien eine eigene Kontrolle angeblicher Gewissheiten entgegen.
- Der Teilchenbeschleuniger bringt nicht das Ende der Welt
- Mit dem Schuh bewerfen ist nicht nur im Islam eine besonders unfreundliche Geste
Quelle: Boing Boing und Boing Boing
Auf ein journalistisches Jahr des Büffels.
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